Was gibt es Neues in der Chirurgie - Roboterchirurgie | 07.08.2017

Der Begriff Roboter ist etwa 100 Jahre alt, hängt mit dem Wort „robotny“ zusammen und ist gleichzusetzen mit einer dem Menschen ähnlichen Maschine, die definierte Arbeiten verrichtet. Der Begriff Roboterchirurgie ist allerdings etwas anders zu verstehen: Dabei sitzt der Chirurg in einem Schaltraum und betätigt Instrumente. Diese von Menschen-Gehirn und Menschen-Hand geleitete Tätigkeit wird auch als Telemanipulator bezeichnet und hat den Vorteil, dass menschliche Bewegungen durch den Telemanipulator mit höherer Präzision ausgeführt werden können und dass die Sicht auf das Operationsfeld besser ist, als bei herkömmlicher laparoskopischer oder offener Chirurgie.

  

Die Roboterchirurgie gibt es bereits seit über 20 Jahren und hat in Österreich zu Erstpublikationen auf dem Gebiet der mittels Robotern durchgeführten Gallenoperationen geführt. In den letzten Jahren sind durch Verbesserungen des Roboters (Telemanipulators) Fortschritte erzielt worden, sodass sich die Roboterchirurgie in den Jahren 2016/17 steigender Akzeptanz erfreut.

  

In der Urologie wird die Roboter-assistierte Prostatektomie (beim Karzinom) seit vielen Jahren routinemäßig angeboten. In den USA wird die Roboter-assistierte Prostatektomie als kräftiges Marketinginstrument verwendet. Blickt man in die umliegenden Staaten (Schweiz, Deutschland, Italien) so erkennt man, dass in den letzten Jahren einige Operationen an spezialisierten Kliniken bevorzugt mit dem Roboter durchgeführt wurden: Operationen zur Gewichtsreduktion (Magen- Bypass; Schweiz), Operationen gegen Sodbrennen (Fundoplikatio; Schweiz): Es werden geringere Komplikationsraten beschrieben und trotz höherer Anschaffungskosten ökonomische Vorteile durch weniger Komplikationen und kürzere Liegedauer erzielt. In Deutschland bestehen erste positive Erfahrungen in der Chirurgie der Bauchspeicheldrüse, beim Magen- und Speiseröhrenkrebs.

 

Die Chirurgie kann mit dem Telemanipulator (Robotik) nicht nur präziser durchgeführt werden, es wird der physiologische Tremor des Chirurgen ausgeschaltet!

 

In Österreich und Deutschland bestehen erste Erfahrungen in der Roboterchirurgie beim Mastdarmkrebs, laparoskopisch durchgeführt unter Erhalt des eigenen Schließmuskels.

 

In Österreich liegt die Anzahl von Robotern, die der Chirurgie zur Verfügung stehen, noch im einstelligen Bereich. Durch ein größeres Angebot mehrerer konkurrierender Firmen ist eine maßgebliche Reduktion der Anschaffungskosten, die derzeit noch bei 1 Mio. Euro liegt, zu erwarten. Die erwiesenen Vorteile dieser neuen Chirurgie und deren Objektivierung müssen noch abgewartet werden.

 

Roboter-assistierte Chirurgie wird zweifellos zur weiteren Zentrumsbildung für schwere chirurgische Erkrankungen führen. Die Roboterchirurgie wird möglicherweise ihren Beitrag zu noch höherer Patientensicherheit und Verbesserung der Ergebnisse der Chirurgie führen.

SERIE: CHIRURGIE FÜR DIE PRAXIS

ÄRZTE KRONE: Leistenbrüche bei Erwachsenen – worauf ist zu achten?
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ÄRZTE KRONE: Bei Oberbauchschmerzen an Gallensteine denken!
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ÄRZTE KRONE: Hämorrhoidalleiden: Differenzialdiagnose besonders wichtig!
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ÄRZTE KRONE: Varizen stadiengerecht behandeln
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Presseartikel

Ärzte Woche 26: Frühe OP bei akuter Cholecystitis
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Kronen Zeitung - Sprechstunde
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Kurier Zeitung - Antibiotika statt unters Messer

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Neue Therapieansätze in der Chirurgie | 19.01.2015

NEUE THERAPIEANSÄTZE IN DER CHIRURGIE

 

1)   Muss jede Leistenhernie operiert werden?

In den letzten Jahren sind Zweifel aufgetreten, ob jeder Leistenbruch des Erwachsenen tatsächlich operiert werden muss. Das war Schulmeinung durch Jahrzehnte! Durch Studien ist es nun bewiesen, dass kleine, wenig Beschwerden verursachende Leistenbrüche nicht operiert werden müssen, sondern genauso auch über Jahre sorgfältig beobachtet werden können („Watchful waiting“). Andererseits empfehlen diese Studien, dass Patienten, die von ihrem Leistenbruch Beschwerden haben, in ihrer Lebensführung beeinträchtigt sind, den Leistenbruch als störend empfinden, usw. sehr wohl einer Operation zugeführt werden sollen!

Inhalt der Studien (kleine wenig symptomatische Leistenbrüche operieren oder sorgfältig beobachten?): Beide Gruppen schneiden bezüglich des Schmerzes gleich gut ab, das Allgemeinbefinden ist bei der operierten Gruppe besser. Innerhalb von zwei Jahren ließen sich 20% der nicht operativen Gruppe wegen Beschwerden operieren.

Das Risiko der Einklemmung war jedoch unerwartet gering: Es betrug innerhalb von zwei Jahren 0,3 bzw. 0,18% (2 Studien).

2)   Muss jede Blinddarmentzündung (Appendicitis) operiert werden?

In den letzten Jahren sind Studien bekannt geworden, nach denen unter gewissen Bedingungen (Studienbedingungen) Blinddarmentzündungen (Appendicitis) auch mit Antibiotika behandelt werden können, d.h. nicht operiert werden müssen. Ausgangspunkt für diese Studien waren Beobachtungen an Marinesoldaten und Expeditionsteilnehmern, die situationsbedingt bei vermuteter Blinddarmentzündung Antibiotika einnahmen und gesund wurden.

Über dieses Thema gibt es vier kontrollierte Studien. Das Antibiotikum wurde für zwei Tage über die Vene verabreicht, für weitere 8 Tage als Tabletten verschrieben. Selbverständlich wurden in diesen Studien alle Patienten von einer alleinigen Antibiotikatherapie ausgeschlossen (d.h. operiert), die einen Perforationsverdacht (Blinddarmdurchbruch) hatten, unter starken Schmerzen litten oder an einer derartigen Studie nicht teilnehmen wollten.

Ergebnis der Studien: Von der nicht operierten, d.h. nur mit einem Antibiotikum behandelten Gruppe, waren nach einem Jahr 67% bezüglich einer Blinddarmentzündung in Ordnung, d.h. sie haben innerhalb eines Jahres keine Operation wenig Blinddarmentzündung benötigt. Das Rückfallrisiko (d.h. nochmals eine Blinddarmentzündung zu bekommen) ist höher, wenn Koprolithen (Stuhlsteine) in der Appendix (Wurmfortsatz, Blinddarm) vorgefunden wurden. Diese Stuhlsteine können mit Ultraschall oder CT festgestellt werden.

Zusammenfassung: Die Behandlung der Blinddarmentzündung durch Antibiotika (ohne Operation) kann derzeit nur unter Studienbedingungen, im Krankenhaus und von spezialisierten ÄrztInnen durchgeführt werden.

Business Lunch - Initiative WundGesund | 30.05.2014
Keine Angst vor Hämorrhoiden | 05.12.2013

Keine Angst vor Hämorrhoiden

 

Hämorrhoiden & Co

 

Ein kurzer Leitfaden durch die Proktologie

(Lehre von den Erkrankungen des Afters)

 

 

Patienten/innen mit Erkrankungen des Afters (Anus), seien es Hämorrhoiden oder andere Erkrankungen, haben zwei Gemeinsamkeiten:

 

  1. die Scham, über ihr Leiden zu sprechen, auch dem Arzt gegenüber
  2. Schmerzen oder Missempfindungen wie Juckreiz, Sekretion oder Blutung

 

Die nachfolgenden Zeilen sollen in erster Linie die Angst nehmen und die Scheu lösen, den Arzt/Ärztin des Vertrauens aufzusuchen.

 

Spezialisierte Ärzte/innen nennen sich Proktologen. Die Proktologie ist definiert durch: Lehre von den Erkrankungen des Afters und dessen Umgebung. An dieser Proktologie haben mehrere Fachärzte ihren Anteil: Chirurgen, Gastroenterologen, Hautärzte, aber auch praktische Ärzte, Röntgenfachärzte, im weiteren Sinne auch Gynäkologen, Urologen und andere. Gemeinsam soll diesen Ärzten das Wissen und die Behandlungsmöglichkeit folgender Erkrankungen sein: Hämorrhoiden, Fisteln, Abszesse, Fissuren, Tumore.

 

Im Folgenden wird in erster Linie das Hämorrhoidalleiden erklärt und seine Unterscheidung zu den anderen Erkrankungen des Afters.

 

Hämorrhoiden selbst sind blutgefüllte Schwellkörper im Bereiche des Afters, die für die Kontinenz (das Halten des Stuhles) von Wichtigkeit sind. Wenn diese Schwellkörper sich vergrößern, das heißt der Blutabfluss in die Venen gestört ist, spricht man von Hämorrhoiden. Sichtbare Hämorrhoiden sind keineswegs eine Krankheit und sollten nicht chirurgisch behandelt werden. In diesem Stadium empfehlen wir sorgfältige Analhygiene, das heißt nach dem Stuhlgang mit lauwarmen Wasser reinigen, keine Verwendung von rauhem WC Papier (besser: feuchtes WC Papier), keine Verwendung von Seife, da diese die Aftergegend zusätzlich reizen kann.

 

Erst wenn Hämorrhoiden Symptome (Krankheitserscheinungen) machen, soll man sie behandeln. Typische Symptome sind: Juckreiz, Blutung, mechanisches Hindernis, das heißt, wenn die Hämorrhoidalknoten durch ihre Größe störend werden. Auch im Falle des behandlungsbedürftigen Hämorrhoidalleidens ist die konservative Therapie die erste Therapie der Wahl: besonders ausgeprägte Analhygiene (siehe oben). Diätetische Beratung, eventuell Zäpfchen oder Salben. In diesem Erkrankungsstadium kann Sie wiederum nur der Arzt/Ärztin Ihres Vertrauens beraten und die Grenze der konservativen Therapie bemessen. Führt die konservative (nicht operative) Therapie nicht zu einer Besserung, so gibt es mehrere operative Optionen, je nach Erkrankungsstadium.

 

Zur Klassifikation der Hämorrhoiden (Stadieneinteilung) hat sich die Klassifikation nach Goligher am meisten bewährt: Je nach dem Stadium des Hervortretens der Hämorrhoiden nach außen (Prolaps) werden vier Stadien unterschieden:

Stadium I: kein Prolaps, Hämorrhoiden bluten meist

Stadium II: Prolaps nur beim Pressen, spontane Rückbildung

Stadium III: Prolaps besteht dauernd, kann jedoch mit den Fingern in den Analkanal (After) zurückbefördert (reponiert) werden.

Stadium IV: Prolaps nicht reponibel (kann mit den Fingern nicht zurückgeschoben werden), meist thrombosierte Hämorrhoiden (das Blut in den Hämorrhoidalvenen ist gestockt), meist schmerzhaft.

 

Die Therapie wurde in vergangenen Jahren hauptsächlich mittels Resektion der Hämorrhoiden (schneidende Verfahren) durchgeführt: Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan, Hämorrhoidektomie nach Ferguson, Hämorrhoidektomie nach Parks. All diesen Verfahren ist gemeinsam, dass in Narkose die Hämorrhoiden an ihren drei Hauptlokalisationen am After weggeschnitten werden. Eine derartige Operation ist von mäßigen bis starken Schmerzen gefolgt, die mittel- bis langfristigen Ergebnisse sind jedoch sehr gut.

 

In den letzten Jahren haben sich minimal-invasive Verfahren verbreitet: für Hämorrhoiden der Stadien I und II (siehe oben) kommen die Durchblutung drosselnde Verfahren infrage wie die schon seit Jahrzehnten ausgeübte Gummibandligatur nach Barron, sowie die Methode, die sich in den letzten Jahren ganz besonders durchgesetzt hat: die ultraschallgezielte Hämorrhoidalarterienligatur (HAL) in letzter Zeit ergänzt durch RAR, eine zusätzliche Raffung des Gewebes. Dabei wird, meist in Narkose oder Sedierung ein 2 cm dickes Endoskop in den After eingeführt, die Hämorrhoidalarterien, die den Blutzufluss zu den Hämorrhoiden ermöglichen, mit einer Ultraschallsonde aufgesucht und gezielt mit einer Naht verschlossen. Dieser Eingriff wird an 5-7 Hämorrhoidalarterien durchgeführt, alle mit der Ultraschallsonde geortet. Das fehlende Ultraschallsignal am Ende der Operation beweist den Verschluss der zuführenden Hämorrhoidalarterien. Durch ein gleichzeitig angewendetes Nahtverfahren, ebenso durch das Endoskop, wird die Mastdarmschleimhaut gerafft. Dieser Eingriff (HAL-RAR) ist auch bei Hämorrhoiden im Stadium III durchführbar.

 

Im Stadium IV kommen am ehesten schneidende Verfahren (Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan, siehe oben) zum Einsatz. Der Eingriff in diesem Stadium ist insofern günstig, da die postoperativen Schmerzen stets geringer sind als die präoperativen Schmerzen des Patienten im Stadium IV. Oft muss diese Operation (Hämorrhoidektomie) nur an einem thrombosierten Knoten durchgeführt werden („Hämorrhoidektomie nach Mass“), und ist demnach, was postoperative Schmerzen anbelangt, durchaus tolerabel.

 

In den letzen Jahren ist die sogenannte Stapler-Hämorrhoidektomie in die proktologische Chirurgie eingeführt worden. Dabei wird mit einem Klammernahtapparat aus dem Mastdarm eine Manschette ausgestanzt und das Gewebe durch einen Klammernahtkranz wieder vereinigt, das alles in einem Arbeitsgang, ebenso in Narkose oder Sedoanalgesie (sogenannte Schlummernarkose mit zusätzlicher Schmerzausschaltung). Dieser Eingriff findet im Mastdarm, an den zuführenden Hämorrhoidalarterien statt, und nicht an den Hämorrhoiden selbst. Die Hämorrhoiden selbst werden durch die Raffung der Mastdarmschleimhaut in den Analkanal hineingezogen und schrumpfen in weiterer Folge durch die klammerbedingte Drosselung der Blutzufuhr. Das Staplerverfahren (Operation nach Longo) eignet sich in erster Linie beim Hämorrhoidalprolaps, dem kompletten Vorfall der Mastdarmschleimhaut. Es hat eine gewisse Komplikationsrate, in erster Linie Inkontinenz, die in 1 % auftritt, deren Entstehungsursache im Zusammenhang mit dem Eingriff allerdings vollkommen unklar ist.

 

Die postoperative Behandlung nach allen Hämorrhoiden-Operationen besteht in Schmerzmittel, Sitzbädern oder Duschen nach dem Stuhlgang.

 

Vom Hämorrhoidalleiden unterschieden werden Analfissuren, das sind Schleimhauteinrisse am After mit starken Schmerzen und hellroter Blutung, ferner Analfisteln, die sich durch Sekretion nach außen, meist mit wenig Schmerzen verbunden, äußern. Abszesse in Umgebung des Afters (periproktitischer Abszess, perianaler Abszess) machen meist starke Schmerzen, gelegentlich Fieber und bedürfen einer raschen chirurgischen Behandlung (Inzision, das heißt einfaches Einschneiden über dem Abszess). Wird nicht rechtzeitig operiert (Inzision) so kann die Eiteransammlung sich einen Weg in den Mastdarm bahnen, es entsteht eine Fistel.

 

Weiters gibt es Analekzeme und vorallem Mykosen (Pilzerkrankungen), die wiederum die Domäne des Hautarztes sind, ferner Condylomata accuminata (Feigwarzen), die durch Viren entstehen und als vielfache Wärzchen um den After oder das äußere Genitale erscheinen (ebenso: Hautarzt).

 

Selten sind Tumore des Afters, das sogenannte Analkarzinom. Auch dieses wird vom Spezialisten erkannt und nach histologischer Diagnostik multimodal behandelt: Chemotherapie, Strahlentherapie, meist nur kleine Operationen. In seltenen Fällen ist eine Komplettentfernung des Mastdarms mit künstlichem Ausgang, wie noch vor 20 Jahren geübt, notwendig.

 

In allen Fällen, ob akut oder chronisch, entzündlich oder nicht entzündlich, kann der Arzt Ihres Vertrauens (Proktologe/in) helfen!

Heftige Bauchschmerzen? | 06.05.2013

Ist ein Gallensteinleiden die Ursache?

Durch Gespräch und einfache körperliche Untersuchung kann Ihr Chirurg/Chirurgin in den meisten Fällen zumindest die Verdachtsdiagnose "Gallensteine oder Gallenblasenentzündung" stellen:

1. Krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, die in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen sowie
2. eine schmerzlose Ultraschalluntersuchung, die jedes Röntgeninstitut durchführen kann, führen rasch zur Diagnose bzw. zum Ausschluss eines Gallensteinleidens als Ursache für Bauchschmerzen.

 

Bauchschmerzen
Bauchschmerzen sind ein häufiger Grund, warum Menschen einen Arzt/Ärztin aufsuchen. In den meisten Fällen handelt es sich um leichte Erkrankungen, wie Infektionen des Magen-Darm-Traktes (Gastroenteritis, Enterocolitis), Reizzustände oder funktionelle Probleme mit Stuhlverhalt (Obstipation). In anderen Fällen bestehen spezielle entzündliche Darmerkrankungen (Divertikulitis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), die auch eine spezielle Therapie, manchmal Operation, bedürfen. Bereits für diese Patientengruppe ist der Chirurg/Chirurgin der ideale Ansprechpartner, um das weitere Vorgehen hinsichtlich Diagnostik und Behandlung festzulegen. - Hingegen sind Blinddarmentzündung (Appendicitis) und Gallensteinleiden (Cholelithiasis) sowie Gallenblasenentzündung (Cholecystitis) Erkrankungen, für die der Chirurg/Chirurgin sich als erster Ansprechpartner am besten eignet: Appendicitis äußert sich durch Schmerzen im rechten Unterbauch, meist bohrend, stechend, manchmal dumpf, vergesellschaftet mit Erbrechen oder Brechreiz.

Gallebeschwerden äußern sich in Form von krampfartigen Schmerzen im rechten Oberbauch, in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlend. Manchmal bestehen Schmerzen in der Magengrube oder unspezifische Oberbauchschmerzen. Die sogenannte Gallenkolik (krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung, siehe oben) dauert meist nur wenige Minuten. Besteht ein Dauerschmerz über mehrere Stunden sowie ein druckempfindlicher rechter Oberbauch, eventuell auch Fieber, so kann man von einer Gallenblasenentzündung ausgehen. In all diesen Fällen ist die Operation die Methode der Wahl. Alternativen wie Gallensteinzertrümmerung mit Schallwellen sowie Gallensteinauflösung werden wegen schlechter Langzeitergebnisse nicht mehr angeboten. Bei wenigen PatientInnen, bei denen eine Operation aus allgemeinen Gründen nicht in Frage kommt, steht bei Entzündung der Gallenblase auch eine Antibiotikatherapie zur Verfügung. Im Falle einer durchgemachten Gallenkolik und momentaner Beschwerdefreiheit wird der Operationszeitpunkt der Wahl vom Chirurgen/Chirurgin vorgeschlagen, d.h. Operation nach Tagen bis Monaten, je nach Kapazität und Zeitplan von Patient und Arzt. Im Falle der akuten Entzündung erfolgt die Operation in optimaler Weise innerhalb von 48 Stunden.

Seit 23 Jahren steht in Österreich die minimal invasive Chirurgie (Schlüssellochchirurgie, laparoskopische Chirurgie) des Gallensteinleidens zur Verfügung. Durch diese bereits jahrzehntelange Erfahrung können mehr als 90% der Gallenblasenoperationen minimal invasiv (laparoskopisch) angeboten werden. Das Risiko nicht laparoskopisch operiert werden zu können ("Umstieg auf die offene Operation") steigt mit dem Entzündungsgrad der Gallenblase: So werden 98 bis 100% der laparoskopisch begonnenen Gallenblasenoperationen im entzündungsfreien oder -armen Stadium auch laparoskopisch beendet. Bei schwerer Entzündung oder Verwachsung (Verschwartung) nach durchgemachter Entzündung im Bereich der Gallenblase kann die Umstiegsrate auf die offene Operation 10 bis 20% betragen. Beim Gallenblasencarcinom (immerhin 1% aller Gallensteinträger) wird immer offen operiert.

 

Soll nach einmaliger Gallenkolik bereits operiert werden?
Grundsätzlich soll operiert werden, da man aus Statistiken weiß, dass sich die Beschwerden wiederholen und auch Komplikationen dazu kommen, wie Gallenblasentzündung, Ausdehnung des Gallensteinleidens auf den Gallengang (Choledocholithiasis), Gallengangsverschluss mit Gelbsucht (Ikterus), Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und Gallenblasenkrebs, zwar nur zu 1%, aber nur bei Gallensteinträgern vorkommend.

Zusammenfassend ist die hohe Wahrscheinlichkeit der Komplikation eines einfachen Gallensteinleidens der Grund, warum der Chirurg/Chirurgin bereits nach einmaliger Kolik zur Operation rät.

 

Kann man hinsichtlich des Gallensteinleidens vorsorgen?
Grundsätzlich ist jedem Menschen eine gesunde Ernährung anzuraten. Andererseits weiß man, dass weder "schlecht Essen" noch Übergewicht oder Fettsucht zwangsläufig zum Gallensteinleiden führen. Als Ursache des Gallensteinleidens wird vielfach eine Mobilitätsstörung (Beweglichkeitsstörung) der Gallenblase angesehen. Ein diesbezügliches Eingreifen der Medizin zur Verhinderung der Steinentstehung ist bis dato nicht bekannt. Gallensteine treten genauso bei jungen und/oder sportlichen Menschen auf. Eine generelle Prophylaxe ist nicht möglich.

 

Kann man Gallensteine feststellen, bevor sie noch Beschwerden machen? Was ist dann zu tun?
Eine einfache schmerzlose Ultraschalluntersuchung, die jedes Röntgeninstitut macht, kann Aufschluss geben, ob ein Mensch Gallensteine hat oder nicht. Die Treffsicherheit der Ultraschalluntersuchung liegt bei 95%. Ein Gallensteinleiden ohne Beschwerden (asymptomatisches Gallensteinleiden) kann nach den Regeln der Schulmedizin nur beobachtet werden. Lediglich beim Diabetiker ist eine prophylaktische Operation angezeigt wegen der größeren Neigung zur Gallenblasenentzündung. Bei allen anderen Patienten entscheidet das Gespräch Patient-ChirurgIn, ob nicht doch prophylaktisch operiert werden kann: Gerade Menschen, die viel reisen, stellen die Frage nach einer prophylaktischen Operation. Das Risiko bei asymptomatischem Gallensteinleiden doch Beschwerden zu bekommen, liegt bei 3% pro Jahr. Das Risiko einer laparoskopischen Gallenblasenoperation (Cholecystektomie) beim nicht komplizierten Gallensteinleiden, d.h. bei "leicht durchführbarer" Operation liegt weit unter 1%. Das ist in jedem Fall individuell abzuwägen. Die Entscheidung wird im Gespräch mündiger Patient-kompetenter Arzt getroffen!

 

Wie funktioniert die Operation?
Die Operation erfolgt immer in Vollnarkose(Allgemeinanästhesie) und grundsätzlich laparoskopisch: Dazu muss über eine spezielle Sicherheitsnadel Gas in die Bauchhöhle eingebracht werden, damit sich die Bauchdecke von den Eingeweiden abhebt. Als nächster Schritt werden vier jeweils 5 bis 12 mm dicke Sonden in die Bauchhöhle eingebracht. Durch eine Sonde, meist am Nabel, wird eine Optik eingeführt. Diese Optik ist mit einer Kamera verbunden, die somit eine Fernsehdirektübertragung aus der Bauchhöhle auf einen Bildschirm ermöglicht. Durch die anderen Hohlsonden werden Instrumente eingeführt, mit denen der Operateur an der Gallenblase (und genauso an anderen Organen) operieren kann. Durch die große Erfahrung an vielen chirurgischen Abteilungen in Österreich ist diese Operation sehr sicher. Der Operateur sieht das Operationsfeld zwar nur zweidimensional (also kein plastisches Sehen), dafür aber in Farbe und in Vergrößerung.

In letzter Zeit wurden zahlreiche Möglichkeiten gefunden, die Operation noch weniger invasiv also noch weniger traumatisierend zu gestalten: Einerseits durch Reduktion der Zugänge (der eingeführten Sonden) von vier auf drei, weiters durch Reduktion der Sondendicke von 12 bzw. 5 mm auf 5 bzw. 3 oder 2 mm. Andererseits wurde die SILS-Technik (Single Incision) in die laparoskopische Chirurgie eingeführt: Dabei wird nur ein operativer Zugang am Nabel gewählt, durch den sämtliche Instrumente zur Operation in die Bauchhöhle eingebracht werden. Auch die NOTES-Technik wird gelegentlich verwendet: Der operative Zugang wird durch den Magen oder durch die Scheide gewählt, um jegliche sichtbare Narbe am Bauch zu verhindern. In allen Operationstechniken gibt es in Österreich auch reichlich Erfahrung.

Zusammenfassend kann ihnen nur der Chirurg/Chirurgin ihres Vertrauens Auskunft geben, welche minimal invasive Technik für den Patienten/Patientin am besten ist! Oberstes Gebot in der Chirurgie ist, nicht zu schaden ("Nil nocere").

Nach laparoskopischer Gallenblasenoperation (Cholecystektomie) bleiben Patienten in der Regel 1-3 Tage im Spital. Der postoperative Verlauf ist schmerzarm bis schmerzlos. Nach weiteren 2-3 Tagen ist leichte berufliche Tätigkeit möglich. Sportliche Betätigung kann nach 8-10 Tagen begonnen werden.

 

Kann man ohne Gallenblase normal leben?
Die Gallenblase dient zur Sammlung und Eindickung der Galle (=eine Flüssigkeit, die von der Leber produziert wird). Im Falle einer operativen Gallenblasenentfernung übernimmt der Gallengang die Funktion des Galletransportes in den Dünndarm, wo Galle zur Verdauung (von Fett) benötigt wird. Nach laparoskopischer Cholecystektomie ist ein vollkommen normales Leben möglich. Eine spezielle Diät ist daher nicht sinnvoll und wird auch nicht empfohlen.

 

Zusammenfassung:
Gallensteinerkrankungen gehören (gemeinsam mit den Leistenbrüchen) zu den häufigsten Operationen in der Chirurgie. Daraus geht hervor, dass ChirurgInnen durch die tägliche Konfrontation mit dieser Krankheit, sowohl in Diagnostik als auch Therapie (Operation) besonders gut bescheid wissen. Gallensteine kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor. Rund 15% der weiblichen Bevölkerung und etwa 8% der Männer haben Gallensteine. Die Beratung, wann und wie (Operation überhaupt?, minimal invasiv, SILS, NOTES, usw.) behandelt werden soll, wird im Gespräch mündiger PatientIn - kompetenter ArztIn entschieden. Sämtlichen Komplikationen ist vorzubeugen: Cholecystitis, entzündliche Schrumpfgallenblase, Gallenblasenperforation mit galliger Peritonitis (Bauchfellentzündung), Steinwanderung in den Hauptgallengang mit Gallengangsverschluss und Gelbsucht (Ikterus), Bauchspeicheldrüsenentzündung.

 

Prof. Dr. A. Tuchmann