Erkrankungen der Schilddrüse

Schilddrüsenerkrankungen können die Schilddrüsenfunktion (Über- oder Unterfunktion) sowie Form und Größe der Schilddrüse (Kropf) betreffen. Darüber hinaus gibt es auch Carcinome der Schilddrüse.

Typische Beschwerden

Bei Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose): Herzklopfen, Schwitzen, Gewichtsabnahme, Unruhe, Schlaflosigkeit, Durchfälle.

Bei Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose): gegenteilige Symptome, wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, usw.

Unter einem Kropf (Struma) versteht man eine Vergrößerung der Schilddrüse. Struma nodosa: Ein oder mehrere Knoten. Symptome: Druckgefühl am Hals, Behinderung beim Schlucken und Atmen, psychische und optische Beeinträchtigung.

Diagnose

Untersuchung durch den Arzt durch Abtasten und Veranlassung von Befunden: Nuklearmedizinische Untersuchung (Szintigraphie), Ultraschall (Sonographie). Dadurch kann man feststellen, ob es sich um hormonell aktive Adenome (heiße Adenome, autonomes Adenom) handelt oder um hormonell nicht aktive Adenome (kalte Adenome). Kalte Adenome können gutartige Zysten, gutartige Adenome, in seltenen Fällen aber auch Carcinome sein. Die Feststellung, ob gutartig oder bösartig (Dignität) kann auch durch Punktion und mikroskopische Untersuchung des Punktats (Zytologie) dokumentiert werden.

Behandlung

Nach der beschriebenen Diagnostik kann der endokrin tätige Arzt (Endokrinologie – Lehre von den Drüsen mit innerer Sekretion) einen Therapieplan ausgeben.

Reine Funktionsstörungen (Über- oder Unterfunktion) ohne Struma können fast immer medikamentös behandelt werden.

Bei mechanischer Beeinträchtigung des Schluckens oder des Atmens sowie vielen Knoten ist an eine Operation zu denken. Die Notwendigkeit einer Operation erfolgt im Konsens zwischen den an der Diagnose beteiligten Ärzten, dem Patient und dem endokrin geschulten Chirurgen.

Die operative Behandlung ist der jeweiligen Beschaffung der Schilddrüse angepasst: Entfernung eines oder mehrerer Knoten, Entfernung einer Schilddrüsenhälfte (Lobektomie), beidseitige subtotale Resektion (auf der rechten und auf der linken Seite bleibt nur ein kleiner Schilddrüsenrest bestehen). Beim Carcinom muss die gesamte Schilddrüse entfernt werden (Thyreoidektomie).

Die Hauptgefahr bei Schilddrüsenoperationen ist die Verletzung des für die Stimmbildung verantwortlichen Nerven (Nervus laryngeus recurrens). Das soll durch Darstellung dieses Nerven bei der Operation und elektrischer Überwachung seiner Funktion (Neuromonitoring) verhindert werden. Die Häufigkeit derartiger Nervenschädigungen, gefolgt von Heiserkeit, beträgt bei Operation wegen gutartiger Struma 1-2%.

Nachbehandlung

Postoperativ im Spital Hals-Nasen-Ohren-Kontrolle, ob die Stimmbänder in Ordnung sind. Danach Kontrolle der Hormone, eventuell Ultraschall, eventuell Szintigraphie und genaue Hormoneinstellung. Später erfolgt die Kontrolle schilddrüsenoperierter Patienten z.B. einmal jährlich, eventuell unter Zuhilfenahme eines nuklearmedizinischen Institutes. Die exakte Nachsorge soll ein Wiederauftreten des Kropfes (Rezidiv) oder eine Funktionsstörung verhindern.

Weitere Informationen

Prim. Univ.-Prof. Dr. Albert Tuchmann, FACS
Vorstand der Chirurgischen Abt. am SMZ Floridsdorf
1010 Wien, Liebiggasse 4 / Top 12
Tel.: +43 1 406 36 18
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