Zweitmeinung – eine Möglichkeit für eine bessere Behandlung in der Chirurgie

 

In einer hochzivilisierten Gesellschaft mit mündigen Patienten/innen hat die „ Medizinische Zweitmeinung “ (Second Opinion) ihren Stellenwert.

Insbesondere bei schweren Erkrankungen (Krebs, entzündliche Darmerkrankung, Gefäßerkrankung)  mit einer vielschichtigen Behandlung drängt sich die Frage nach einer anderen Möglichkeit oder Modifikation der Behandlung auf.

 

Der in vielen Fällen berechtigte Wunsch nach Zweitmeinung besteht vor allem:

  • wenn das Vertrauensverhältnis zum erstaufgesuchten Arzt/Ärztin nicht hergestellt werden konnte
  • wenn Fragen nach der Erfahrung/Erfolgsrate/Qualitätssicherung/Studienlage usw. nicht beantwortet werden konnten

 

Patienten streben eine Zweitmeinung aber nicht nur bei Schwersterkrankungen (s.o) an, sondern auch bei den häufigen chirurgischen Leiden wie Leistenbruchoperationen, Hämorrhoiden, Krampfadern(Varizen), hauptsächlich wegen der Vielfalt zur Verfügung stehender Operationen:

 

  • Leistenbruchoperation laparoskopisch oder offen, mit Netz  oder ohne Netz
  • Hämorrhoiden, welche von mindestens vier angebotenen Eingriffen (Gummibandligatur, konventionelle Operation, ultraschall-gezielte Hämorrhoidalarterienligaturen, Stapler-Hämorrhoidektomie)
  • Varizen: Laser oder Stripping?

 

Der Patient hat zwar ein Recht auf Zweitmeinung, diese wird aber von der Krankenkasse nicht zwangsläufig bezahlt. Eine Möglichkeit einer finanzierten Zweitmeinung besteht in der Zuweisung eines Patienten in eine Spezialambulanz/spezialisierte(r) ÄrztIn. Offen ist die Frage, wie weit Zweitmeinungen nicht von Körperschaften, Krankenkassen, Selbsthilfegruppen, wissenschaftlichen Gesellschaften angeboten werden könnten.

 

Abzulehnen ist die Einholung einer Zweitmeinung aus dem Internet. Nicht nur, dass 70% der Internetinformation interessens-geleitet ist, kann der Patient die angebotene Information ohne ärztliche Anleitung nicht entsprechend einordnen.

Eine Zweitmeinung ist kontraproduktiv, wenn Gefahr in Verzug ist, d.h., wenn jede zeitliche Verzögerung eines Eingriffes oder des Beginns einer medikamentösen Behandlung zum Schaden des Patienten führt oder bei einfachen, eindeutigen Fragestellungen in der Chirurgie.

Jeder verantwortungsvolle Arzt hat den Wunsch eines Patienten nach Zweitmeinung zu akzeptieren. Eine Zweitmeinung abzugeben, obliegt allerdings ÄrztenInnen mit großem, akademischen Wissen, Empathie und Geduld.